• Bettina Grill

Licht ins Dunkel bringen – das hilft bei Depression und depressiven Verstimmungen




Inhalt dieses Artikels:

Was ist eine Depression?

Ursachen und Entstehung der Depression

Symptome

Die medizinische Behandlung der Depression

Was ist darüber hinaus hilfreich?

Energie tanken

Systemisches Arbeiten - den Menschen als Ganzes sehen

Glaubenssätze

Ängste

Schlafstörungen

Vorbeugung

Notfallplan

Fazit

Was ist eine Depression?


„Alles liegt wie eine Decke aus Blei auf mir, jede kleinste Aufgabe, und gleichzeitig ist in mir eine einzige Leere“


So oder so ähnlich beschreiben viele Betroffene die Depression.

Nichts geht mehr – keine Kraft, kein Antrieb, keine Freude, kein Interesse an irgendetwas.

Nur die Gedanken sind aktiv und kreisen immerzu in sorgenvollen Themen.


Dieses Krankheitsbild ist die häufigste psychische Erkrankung, eine Volkskrankheit, die jede 5. Frau und jeden 10. Mann mindestens einmal im Leben betrifft.


Und sie ist für die Betroffenen so qualvoll, dass sie die häufigste Ursache für Suizide ist und somit einen tödlichen Verlauf nehmen kann.

Dennoch ist sie immer noch tabuisiert – Betroffene sprechen oft aus Scham nicht darüber und holen sich erst spät Hilfe.

Dabei ist die Vorbeugung das wirksamste Mittel gegen eine Depression (dazu weiter unten) und eine frühzeitige Behandlung enorm wichtig.

Ursachen und Entstehung der Depression


Eine Depression geht in aller Regel nicht auf eine einzige Ursache zurück, sondern entsteht durch komplexe Auslöser in Körper und Seele.

Verstärkend wirken auch meist das familiäre Umfeld und die Lebensumstände.


Typische Ursachen sind:

  • eine genetische Veranlagung

  • Stress, emotionaler Druck und Dauerbelastung in der heutigen „Leistungsgesellschaft“, bei gleichzeitig abnehmender Wertschätzung und einem Sinnverlust

  • sogenannte "Live Events", also belastende oder traumatische Lebensereignisse wie Trennung vom Partner, Todesfälle in der Familie oder der Verlust des Arbeitsplatzes

  • verdrängte Trauer und eine unzureichende Auseinandersetzung mit der eigenen Sterblichkeit (vgl. Rüdiger Dahlke)

  • andere, vor allem chronische Erkrankungen wie Parkinson, Demenz, hormonelle Störungen

  • chronische Schmerzzustände

  • Medikamente, Drogen, Alkohol


Alle diese Faktoren bewirken einen psychischen Druck.

Wenn dieser steigt und die eigenen Fähigkeiten nicht mehr ausreichen, um ihn zu bewältigen, kommt der Punkt, an dem nichts mehr geht.

Die Psyche geht in die "De-Pression", wörtlich bedeutet das, sie geht raus (De-) aus dem Druck (-pression), und schaltet sich ab.

Was passiert im Gehirn?

Im gesunden Gehirn sorgen verschiedene Botenstoffe dafür, dass die Nervenzellen reibungslos zusammenarbeiten und die psychische Verfassung ausgeglichen ist.


Bei einer depressiven Verstimmung oder Depression geraten diese Botenstoffe aus dem Gleichgewicht, es fehlen dann diejenigen, die für eine gute Laune, eine stabile Stimmung und ein leistungsfähiges Gehirn sorgen.


Die wichtigsten Botenstoffe, die bei der Depression eine Rolle spielen, sind Noradrenalin, Serotonin, Dopamin und GABA.

Symptome


Die Leitsymptome der Depression sind:

  • Interessenverlust

  • depressive Verstimmung

  • Antriebslosigkeit


Darüber hinaus gibt es noch zahlreiche weitere Symptome, die den Betroffenen das Leben schwer machen:

  • Freudlosigkeit oder das "Gefühl der Gefühllosigkeit"

  • Schuldgefühle, Verzweiflung, Gefühl der Wertlosigkeit

  • keine Motivation trotzt innerer Unruhe

  • Konzentrationsschwierigkeiten, allgemein Schwierigkeiten beim Denken

  • Grübeln, Katastrophisieren, Schwarz-Weiß-Denken

  • das sogenannte Somatische Syndrom: Müdigkeit, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Libidoverlust, eventuell undefinierbare Schmerzen

  • wichtig zu wissen: die Suizidalität, also die Selbstmordgefahr, ist enorm erhöht! Wenn Sie Bekannte haben, die unter Depressionen leiden, scheuen Sie sich nicht, sie regelmäßig darauf anzusprechen! Für viele ist es eine Erleichterung, wenn sie dahingehend ein offenes Ohr finden. Gehen Sie wertschätzend mit dem Betroffenen um und vermitteln ihm fachkundige Hilfe.

Die medizinische Behandlung der Depression


Wenn Sie selber betroffen sind, gilt: Holen Sie sich spätestens dann fachmännische Hilfe, wenn der Leidensdruck Sie in ihrem (Berufs-) Alltag einschränkt, gerne auch schon früher!


In der Regel werden Medikamente (Antidepressiva) verschrieben, die auf den Hormonhaushalt im Gehirn einwirken.

In leichteren Fällen von depressiver Verstimmung wird gerne Johanniskraut als pflanzliches Antidepressivum eingesetzt, auch Bachblüten können wohltuend und ausgleichend wirken.


Viele Patienten lehnen die Medikamente jedoch aufgrund der (befürchteten) Nebenwirkungen ab.

Zu beachten ist dabei - neben dem Leid für die Betroffenen - auch die erhöhte Suizidgefahr in unbehandelten Fällen.

Zudem benötigen Sie einen gewissen Allgemeinzustand, damit Sie genug Energie haben für weitere Maßnahmen: eine Psychotherapie, Verhaltenstherapie oder alternative und ganzheitliche Ansätze wie die unten genannten.


Weitere medizinische Maßnahmen, die vor allem bei schweren Depressionen Anwendung finden, sind die Elektrokonvulsionstherapie, Schlafentzugstherapie oder auch eine Lichttherapie.


Allgemeine Maßnahmen:

  • Eine vollwertige und vitaminreiche Ernährung ist wichtig. Sie versorgt das Gehirn mit allem Notwendigen, damit ein ausgeglichener psychischer Zustand aufrecht gehalten werden kann.

  • Sport und Bewegung heben die Stimmung. Das kann entspannendes Yoga ebenso sein wie Joggen oder jede andere Sportart, die Ihnen Spaß macht.

  • Sonne und Natur, das Grün von Pflanzen und Wäldern sowie das Blau des Himmels sind Faktoren, die nachweislich positiv auf das Gehirn und die Stimmung wirken.


Was ist darüber hinaus hilfreich?


Was dem Betroffenen im Einzelfall hilft, ist vor allem abhängig von seiner gegenwärtigen Verfassung: wie schwer ist die Depression oder depressive Verstimmung und wieviel Kraft und eigene Ressourcen hat derjenige momentan zur Verfügung?

Energie tanken


Vielen hilft im akuten Fall und bei großer Kraftlosigkeit eine energetische Behandlung, zum Beispiel über das Handauflegen. Der Klient bzw. die Klientin kommt dadurch in eine erholsame Entspannung und akute emotionale Belastungen werden abgebaut.

Dieses Handauflegen ist auch als Selbstbehandlung gut geeignet und empfehlenswert, viele Betroffenen genießen das Wärmegefühl, das dabei entsteht. Zusätzlich ist es möglich, ein wenig Abstand von den akuten Sorgen zu bekommen.

Systemisches Arbeiten - den Menschen als Ganzes sehen


Grundsätzlich ist es so, dass auch ein Mensch mit einer depressiven Verstimmung mehr ist als die Depression!

Das systemischen Arbeiten sucht unter anderem gezielt nach den Stärken, Fähigkeiten und Interessen, die Kraft und Rückhalt geben können. Diese Ressourcen können den Betroffenen helfen, wieder eine positive Perspektive zu finden und schöne Momente zu erleben.


Für die Bearbeitung der Ursachen sind systemische Aufstellungen hilfreich (z. B. mit Figuren oder Gegenständen).

Dabei kann der Fokus beispielsweise auf den inneren Persönlichkeitsanteilen liegen oder auch auf dem Familiensystem.

Wenn die auslösende Ursache für die Depression geklärt werden kann, wird deren emotionale Wirkung abgeschwächt oder im Idealfall ganz aufgehoben.


Weitere Fragen, die systemisch betrachtet werden können, sind:

  • Wohin fließt im Moment die Lebensenergie? Was braucht es, damit sie wieder in vollem Umfang zur Verfügung steht?

  • Wofür steht das Dunkle, Bleierne? Was befindet sich darunter?

  • Was bedeutet die innere Leere, das Fehlen der Gefühle? Wo sind die Gefühle im Moment?

  • Und wie kann wieder mehr Leichtigkeit ins Leben einziehen?

Glaubenssätze


Ein zentrales Thema bei depressiven Belastungen sind die Glaubenssätze. Viele Betroffene leiden unter Gedanken von Wertlosigkeit, Machtlosigkeit, Schuld etc. Und gerade diese Gedanken haben eine enorme Wirkung auf die Gefühlslage.


Um sich selber mit seinen Gedanken und Überzeugungen auseinander zu setzen, benötigen Sie einen stabilen, gefestigten Allgemeinzustand.

Selbsthilfe-Methoden, die Sie dann zur Arbeit mit Glaubenssätzen verwenden können, sind beispielsweise die Klopfakupressur, das NLP oder auch eine kleine systemische Übung:

  • Wählen Sie einen Glaubenssatz über sich aus, der einen negativen Gedanken beinhaltet. Beispiele sind:

  • Ich bin zu nichts gut, ich liege ja nur herum.

  • Ich werde nie wieder das Leben richtig genießen können.

  • So ein Leben habe ich nicht verdient.

  • Ich bin nur eine Last für meine Familie.

  • Legen Sie dafür einen beliebigen Gegenstand vor sich hin, der diesen Glaubenssatz repräsentieren soll. Dadurch stellen Sie ihn außerhalb von sich dar, haben ihn nicht mehr im Kopf und können ihn aus einer Distanz betrachten.

  • Was spüren und denken Sie dazu?

  • Vielleicht ärgert Sie der Gegenstand zunächst oder Sie würden ihn am liebsten gegen die Wand werfen. Oder Sie mögen ihn gar nicht recht anschauen.

  • Wichtig ist, möglichst wertungsfrei und neutral wahrzunehmen, was Sie dazu denken und fühlen. Lassen Sie alles durch sich durchziehen, was sich in dem Moment in Ihnen zeigt!

  • Haben Sie nach einer Weile den Impuls, den Gegenstand wegzuräumen oder verlieren Sie das Interesse daran? Dann haben Sie erfolgreich diesem Gedanken oder Glaubenssatz ein Stück seiner Macht genommen!

  • Überlegen Sie zum Abschluss, was Sie statt dessen denken möchten, das Sie unterstützt und stärkt. Finden Sie so einen neuen Glaubenssatz, der den alten ersetzt!



Ängste

Ein großes Thema bei Depressionen sind Ängste, vor allem in Bezug auf die Zukunft. Über den ganzheitlichen Ansatz dazu können Sie sich in diesem Blog-Artikel informieren.

Schlafstörungen

Zu den häufigsten Schlafstörungen bei Depressionen zählen vor allem

  • das Morgentief: trotzt langen Schlafens ist der Betroffene müde, fühlt sich leer, energielos und von Gefühlen der Leere oder Traurigkeit erfüllt. Die Lasten des anstehenden Tages wirken erdrückend und die Depression hat morgens ihre stärkste Ausprägung. Über den Tag hin und gegen Abend verbessert sich meistens der Zustand.

  • das frühmorgendliche Erwachen: die Betroffenen wachen sehr früh auf, können aber nicht wieder einschlafen, sondern wälzen sich von dunklen Gefühlen und sorgenvollen Gedanken begleitet im Bett. Wenn es dann Zeit zum Aufstehen wäre, sind sie völlig gerädert.


Auch zur Behandlung von Schlafstörungen finden Sie im Blog einen separaten Artikel.

Leider sprechen die Schlafstörungen bei Depressionen oftmals nicht gut an auf die üblichen Maßnahmen. Denn das Ungleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn betrifft auch diejenigen, die den Schlaf-Wach-Rhythmus regeln.


In diesen Fällen lohnt es sich, neben den oben genannten allgemeinen Maßnahmen, den Biorhythmus genauer zu betrachten – warum beispielsweise gibt es diese große Müdigkeit am Tag, und dennoch kann man nachts nicht schlafen? Was braucht es, um die innere Uhr zu stärken und wieder in ihren gesunden Zustand zu bringen?


Wenn Sie nachts oder morgens wachliegen und Ihre Gedanken kreisen, gibt es Tipps, die Ihnen die Situation erleichtern können:

  • Schalten Sie den Inneren Beobachter an: werden Sie sich bewusst, was in Ihnen vor sich geht und beobachten sie die Gefühle und Gedanken neugierig. Das schafft eine innere Distanz zu den Gedanken und Gefühlen.

  • Machen Sie sich bewusst, dass es in Ihnen verschiedene aktive Persönlichkeitsanteile gibt: den eben genannten Inneren Beobachter, die Seite von Ihnen, die depressiv gestimmt ist, möglicherweise einen inneren Kritiker usw. Machen Sie sich auf die Suche nach unterstützenden Anteilen – dem Durchhaltevermögen, der hoffnungsvollen Seite oder auch einem Anteil, der weiß, dass es in spätesten ein paar Stunden besser sein wird.

  • Erinnern Sie sich an eine kleine Situation aus den letzten Tagen, die schön war – ein Brötchen, das geschmeckt hat, Sonne, die ins Gesicht geschienen ist, ein schönes Lied, ein Haustier, das seine Zuneigung gezeigt hat. Versuchen Sie, dieses Gefühl aus Ihrer Erinnerung wachwerden zu lassen und tauchen Sie darin ein.

  • Werden Sie zum Stoiker und wissen: der Tagesablauf ist nicht schön, aber er ist momentan nun mal so. Versuchen Sie, sich treiben lassen, ohne in den Strudel der Gefühle und Gedanken zu kommen. Sagen Sie sich "es geht etwas vor in mir, das ich so nicht will, das furchtbar zu ertragen ist, aber ich habe es in den letzten Tagen schon ertragen, und irgendwann wird es besser werden".



Vorbeugung


Wenn Sie immer wieder dazu neigen, in eine depressive Verstimmung zu rutschen, lohnt es sich, dagegen vorzubeugen.

Das können Sie auf zwei Ebenen machen – körperlich und psychisch.


Körperlich schützt Sie vor depressiven Verstimmungen:

  • eine ausgewogenen, vitaminreiche Ernährung

  • eventuell eine Nahrungsergänzung (z. B. „Amorex), die alle Grundbaustoffe enthält, damit die Botenstoffe im Gehirn ausreichend gebildet werden können

  • Sport und allgemein Bewegung sind stimmungsaufhellend, ebenso Sonne und der Aufenthalt in der Natur


Diese beiden letzten Faktoren (Bewegung und Natur) werden auch in den Bereich der Psychohygiene gezählt. Weiter Elemente davon sind:

  • aktive Entspannung und eine gute Balance zwischen Anspannung und Entspannung (z. B. Autogenes Training, Yoga, Achtsamkeits-Meditation, Tanzen usw.)

  • kreativ werden (je nach Veranlagung schreiben, malen, musizieren oder auch einfach Musik hören, ein Museum besuchen etc.)

  • lernen, mit seinen Gedanken und Gefühlen umzugehen und sie in einen Ausgleich zu bringen

  • Streit und Konflikte klären, anstatt sie länger gären zu lassen

  • sich inhaltlich mit den großen Lebensthemen befassen, anstatt ihnen auszuweichen (dem Lebenssinn, Tod und Sterben etc.)

  • gute soziale Kontakte, Unternehmungen mit Freunden

  • sich immer mal etwas gönnen und dadurch für Lebensfreude sorgen – eine kurze Wellness-Auszeit, Essen gehen, Ausflüge machen

  • insgesamt den Fokus auf das Positive und die Ziele im Leben richten – und gleichzeitig das Negative nicht unterdrücken

Notfallplan


Auch zur Vorsorge für depressiv Erkrankte gehört es, einen Notfallplan auszuarbeiten.

Er ist gewissermaßen eine Checkliste, auf der alles steht, was Ihnen gut tut und woraus Sie Kraft ziehen können:

  • welche Lieder bauen Sie auf?

  • Welche Ausflüge oder Spaziergänge tun Ihnen gut?

  • Mit welchen Menschen fühlen Sie sich wohl und mit welchen nicht?

  • Wem gegenüber können Sie sich öffnen, wenn es Ihnen schlecht geht, wer kann helfen?

  • Was essen Sie gerne und wo bekommen Sie es?

  • Alle wichtigen Telefonnummern von Ärzten, Therapeuten, Telefonseelsorge, Notrufnummern, aber auch von guten Freunden etc.

  • Ihre bisherigen Medikamente inklusive homöopathischer Mittel, Bachblüten etc. – was hat geholfen und was nicht?

Auf diese Weise sammeln Sie Ihre Ressourcen, auf die Sie im Bedarfsfall zurückgreifen können.


Den Notfallplan erstellen Sie in einer Phase, in der es Ihnen gut geht, so dass Sie dann in schlechten Phasen alles Hilfreiche greifbar haben.

Fazit

Die Depression ist ein Volksleiden, das viele Menschen betrifft.


Durch vorbeugende Maßnahmen können Sie sich in gewissem Maße dagegen wappnen und Ihr Risiko verringern, in das tiefe Loch der Depression zu fallen.


Wenn unvorhersehbare Wendungen des Lebens Sie dennoch aus der Bahn werfen, zögern Sie nicht, sich Hilfe zu holen!


Mit verschiedensten alternativen Ansätzen lässt sich darüber hinaus die auslösende Ursache bearbeiten, so dass Sie zu einer neuen psychischen Stabilität finden können.


Ich wünsche Ihnen alles Gute auf Ihrem Weg "vom Dunkel zum Licht" und begleite Sie bei Bedarf gerne dabei!


Ihre Bettina Grill